Bundeswehr sucht Kokosnuss

Eine musikalische Höchstleistung bot das Orchester der Bundeswehr auch in diesem Jahr wieder vor über tausend Zuschauern im Lautlinger Schlosshof.

Albstadt-Lautlingen. »Musik!« lautete die Antwort auf alle Fragen, als das Heeresmusikkorps Ulm am Mittwoch im Lautlinger Stauffenberg-Schloss gastierte. Dirigent Matthias Prock bezog das Publikum mit ein, doch egal welche Frage er stellte, die Antwort des Publikums sollte immer die selbe sein: »Musik!«

Es war ein Open-Air, wie es im Buche steht: Sonnenschein, nicht zu warm und nicht zu kalt, und dazu Orchestermusik der Extraklasse, gespielt vor der imposanten Kulisse des Lautlinger Schlosses. Das Heeresmusikkorps ist bekannt für ausgefallene Programme und »musikalische Vielfalt auf höchstem Niveau«, merkte Oberbürgermeister Klaus Konzelmann in seiner Begrüßung an. Er versprach nicht zu viel; die rund 1500 Gäste waren sich nach dem Konzert einig mit dem neuen Ortsvorsteher Heiko Peter Melle: »Es ist immer wieder ein musikalisches Highlight der gehobenen Musik!«

Im Programm hatte die musikalische Abteilung der Bundeswehr wie immer bekannte Stücke, denen sie jedoch ihre ganz eigene Interpretation zu geben wusste. Akkordeon, Saxofon und Trompete entführten die Gäste nach Paris; im Schlosshof lag mit einem Mal Liebe in der Luft, Liebe und gute Laune, und man hatte unversehens das Gefühl, sich unter Hunderten von Flaneuren zu befinden. Etwas kraftvoller ging es in der »Küchensamba«, einer Eigenkomposition, zu: Die Schlagzeuger packten Küchenschürzen und Blechdosen aus und brachten Stimmung ins Publikum.

Doch dann musste Dirigent Matthias Prock traurige Nachrichten überbringen: Drei der Korpsmitglieder absolvierten in Lautlingen ihren letzten Auftritt. Thomas Maier war viele Jahre lang Orchestermitglied und in über 1200 Konzerten mit von der Partie. Versteht sich, dass er einen Wunsch frei hatte zum Abschied: Sein langjähriger Sitznachbar glänzte mit einem Klarinetten- und Gesangssolo, und zwar gab er »Ich brech die Herzen der stolzesten Frau«, zum Besten, ein Lied, zu dem Thomas Maier eine ganz besondere Verbindung hat. Welche? Das wurde nicht verraten.

Es folgte eine weitere Eigenkomposition, ein Kind mehrerer Väter, darunter Dirigent Prock. Alle Fünf haben Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren zu Hause und erleben nicht selten, wie ihre Sprösslinge pfeifend oder summend in der Tür stehen – und dann mit einem Mal die Melodien durcheinander würfeln. Dank dieser Inspiration ist ein Stück aus vielen verschiedenen Liedern entstanden, die den meisten Zuhörern bekannt gewesen sein dürften. Mit dabei waren die »Drei Chinesen mit dem Kontrabass«, »Auf der Mauer, auf der Lauer« und auch die Lied gewordene Recherchefrage, wer die Kokosnuss geklaut hat. Am Ende nickten sogar einige Korpsmitglieder auf der Bühne ein. Kein Wunder, es erklangen »Schlaf, Kindlein schlaf!« und »Weißt du wie viel Sternlein stehen«.

Nach über einer Stunde hatte das Publikum immer noch nicht genug und bekam schnell eine Zugabe: die Reise auf der Schwäbischen Eisenbahn mit den Stopps »Schtuegert, Ulm und Biberach« – natürlich wieder in einer ganz charakteristischen Interpretation. Mit der Nationalhymne endete der Auftritt; danach bot sich die Gelegenheit zum Gespräch. In dem Matthias Prock hinter vorgehaltener Hand noch ein Geheimnis verriet: Auch für ihn war es das letzte Konzert in Lautlingen: Er wird im August an die Nordsee versetzt, nach Wilhelmshaven. Er wird die Gastspiele im Eyachtal vermissen – so ein Publikum, bekannte er, wünsche sich jeder Dirigent.

Der Erlös des Benefizkonzerts wird zwei guten Zwecken zugeführt. Laut Albstadts Oberbürgermeister Klaus Konzelmann geht die eine Hälfte an den DRK-Ortsverein Laufen-Lautlingen und die andere an die in Lautlingen beheimatete Pflegewerkstatt Oase der Vinzentinischen Ersthelfer.

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